Verschwommene Wahrnehmung 2.0


Zunächst möchte ich mich für die große Resonanz auf meinen letzten Blogartikel bedanken. Auch wenn nicht alle Kommentare sachlich waren, habe ich sie dennoch alle freigeschaltet. Denn trotz der teilweise negativen Einträge sehe ich eines meiner Ziele erreicht: Unterschiedliche Ansichten werden mit Worten und NICHT mit Gewalt ausgetragen! für meine Begriffe ist das schon ein Erfolg. Der eine oder andere Kontakt im Zusammenhang mit „Verschwommene Wahrnehmung“ hat mir auch bewiesen, dass nicht alle „Fußballfans“ auch gleichzeitig hirnlose Randalemacher sind. natürlich gibt es diese, aber auch auf Seite der Polizei sind nur Menschen und wo Menschen sind, sind auch Fehler. Diese Tatsache war aber auch gar nicht Thema meines Artikels. Sinn war es auch nicht, alle Fußballfans als tumbe Prügelknappen darzustellen. Mein Anliegen war es, etwas Sensibilisierung dafür zu erreichen, dass die eigene Sicht, nicht immer die einzige Sicht ist und dass man die freie Meinungsäußerung auf allen Seiten akzeptieren muss.
So mancher hat damit anscheinend noch ein Problem. für diese Personen ist es scheinbar in Ordnung, wenn von einem Fan über Vorfälle berichtet wird, wobei die Polizei ein Stück weit ins Lächerliche gezogen wird. Wenn dann aber einer von der „Gegenseite“ es wagt, dazu auch seinen Senf abzugeben, bricht auf einmal tiefste Empörung aus!
Da werden hanebüchene Vergleiche angestellt (der Begriff „Möchtegern-Hooligans“ wird mit dem Schimpfwort „Bullenschweine“ gleichgesetzt), an den Haaren herbeigezogene Anschuldigungen werden bemüht (Verstoß gegen das Telemediengesetz) und der Artikel als Nonsens bezeichnet.
Gut, die Kommentare fallen auch alle unter die Meinungsfreiheit und werden deshalb von mir akzeptiert. Ich erspare es mir selber, auf jeden einzelnen zu reagieren, denn das würde den mir zur Verfügung stehenden Zeitrahmen deutlich übersteigen.
Aber ein paar Anmerkungen habe ich schon noch zu machen. Ich war an dem betreffenden Abend nicht anwesend und betone dies in meinem Artikel auch extra. Dennoch kann ich auf die Erfahrungen von mehr als einem Jahrzehnt in Einsatzhundertschaften zurückblicken. Fast zehn Jahre davon habe ich in der Einsatzhundertschaft Münster verbracht, neun davon bei der technischen Beweissicherung (BeSi). Ich habe unzählige Fußballeinsätze miterlebt, die meisten davon mit der Videokamera begleitet. Zu den Aufgaben der BeSi gehört es ausdrücklich, beweissichernde Aufnahmen zu machen – und zwar auf beiden Seiten! Aus meiner Vergangenheit kann ich sagen, dass diesem Auftrag im Rahmen der Möglichkeiten auch nachgekommen wird.
In den vielen Jahren meiner Tätigkeit in diesem Bereich, habe ich bestimmt auch schon so manchen der hier echauffierten Fans persönlich getroffen. Ich weiß also durchaus, wovon ich spreche.
Wenn ich die Rechtsbrüche, die ich mit der Videokamera dokumentiert habe Revue passieren lassen, ist es eine Tatsache, dass die Rechtsbrüche nur zu einem verschwindend geringem Anteil von Kollegen begangen wurden. Ja, es ist vorgekommen, aber im Vergleich zu den Rechtsbrüchen der „Fans“ im kaum messbaren Bereich. Dies sind meine ERFAHRUNGEN, die mir niemand nehmen kann und es grenzt an Frechheit, mir diese abzusprechen.
Ich wollte mit meinem Artikel aufzeigen, dass auch auf Seiten der Polizei Menschen stehen, die bestimmte Befindlichkeiten haben und nicht alles immer unwidersprochen hinnehmen wollen.
Wenn man das Recht auf freie Meinungsäußerung in Anspruch nimmt, MUSS man es anderen auch zugestehen.
Ich tue das und hoffe darauf, dass man mir dieses Recht nicht abspricht.
Ich kenne übrigens die SKB (Szenekundigen Beamten) in Münster persönlich und habe mich schon oft mit diesen unterhalten. Und ja, ich habe Fußballfans in meinem Bekanntenkreis! Wer hätte das gedacht?
Wer diese letzten Bemerkungen nicht versteht, sollte in den Kommentaren zu „Verschwommene Wahrnehmung“ nachlesen. Dann ergibt sich das schon!
Ich habe mich, wie es scheint, etwas unklar ausgedrückt, was das „Umrennen“ des Kindes anbelangt. Ich rechtfertige in keiner Weise das Verhalten der Kollegen, wenn es denn so war. Allerdings bin ich auch Familienvater und bin mir meiner Sorgfaltspflicht meinen Kindern gegenüber sehr bewusst. Die betreffende Situation ist nunmal eine, in die ich meine Kinder nicht bringen würde – nicht mehr und nicht weniger! Da war der Vater in mir mehr Vater des Gedankens, als der Polizist.
Im Grunde bin ich immer für den Dialog – auch mit Fußballfans. Doch wie schon beschrieben ist das nicht immer so einfach, weil gerade bei den „Fans“ oft eine vorgefertigte Meinung uns gegenüber herrscht. Es ist nunmal kein gelungener Gesprächseinstieg, wenn man die Polizei schon beim Eintreffen mit „Bullenschweine“ tituliert. Jetzt kommt bestimmt der Einwand, dass diese Vorverurteilung auch auf Erfahrungen beruht. EBEN! Wir haben alle unsere Erfahrungen gemacht. Manchmal gute, manchmal schlechte. Aber wenn wir niemandem die Chance geben, neue und andere hinzuzufügen, hilft alles Schimpfen nichts. Da gilt dann einfach „wie man in den Wald ruft…“. Ich habe die neue Erfahrung gemacht, dass man mit einigen Fans eben doch anderer Meinung sein kann, dass aber deswegen nicht gleich zu gewalttätigen Konflikten führen muss. Diese Erfahrung ist mir wichtig.
Kontext meines ganzen Geschreibe soll eigentlich sein: Wir sind alle Menschen! Lasst uns das nicht vergessen und uns gegenseitig so behandeln. Hasstiraden helfen nichts und ab und zu muss man Kritik einfach mal aushalten. Ich kann das, sonnst hätte ich die vielen kritischen Kommentare nicht freigeschaltet!

7 Kommentare zu „Verschwommene Wahrnehmung 2.0

  1. Hey, ich bin kein Fußballfan, kein Polizist – nur Mensch. Ich weiß nicht,wie ich reagieren würde in einer solchen Stresssituation, denn jeder Mensch hat ein Recht auf Unversehrtheit und bekommt irgendwie zu Recht Angst, wenn diese bedroht wird.
    Aber nur wer sich selber an Regeln hält, kann erwarten ebenso „regelkonform“ behandelt zu werden, eben weil wir fehlbare, unvolkommene Menschen sind. Ich kann nicht nach dem 10ten Stein erwarten, dass ein Polizist mir noch lächelnd begegnet… nicht erwarten , dass der Holigan mit der Platzwunde den Polizisten trotzdem achtet und respektiert, ich kann nicht hoffen als Unbeteiligter im Chaos als Unbeteiligter erkannt zu werden !
    Doch wir können uns durch solche Blogs doch bemühen, ein wenig durch die Augen des „Gegners“ zu blicken, verstehen was passiert und mithelfen zu vermeiden, damit so etwas nicht sich permanent wiederholt – nur darum geht es, um das nächste Spiel, der nächste Einsatz und erlebeten gegenseitigen Respekt.
    in diesem Sinne
    nen lieben Gruß

  2. Ich bin Fußballfan und Nichtpolizistin. Mir persönlich sind die Ausfälle so einiger gegenüber der Polizei mehr als peinlich. Wie übrigens vielen Fans, die ich kenne, auch. Meiner Ansicht nach hat das eine (Fan eines schönen Sports zu sein) mit dem anderen (Polizisten beleidigen) nicht das Geringste zu tun und ich fühle mich intellektuell von der Vermischung dieser zwei Dinge vollkommen überfordert.

    Ich verstehe nicht, wieso manche „Fans“ sich von Deinem Artikel angegriffen fühlen. Entweder, sie benehmen sich anständig, dann sind sie nicht gemeint. Muss man sich jeden Schu anziehen, der irgendwo im Umkreis von 50 km abgestellt wird? Oder sie benehmen sich nicht anständig, dann müssen sie sich aber fragen lassen, was genau ihr Verhalten mit Sport zu tun hat. Sportlich ist es jedenfalls nicht, Menschen zu beleidigen, egal, welchen Beruf sie haben.

  3. bei rund 600 lesern finde ich so wenig kritische kommentare schon fast beleidigend.. 😉

    scherz beiseite…

    der tenor von 2.0 ist schon ein ganz anderer und das freut mich ungemein.

    du hast absolut recht, dass es letztendlich NUR um befindlichkeiten geht. diese auszudiskutieren ist mühsam bis unmöglich.

    daher ist für mich diese nummer hier auch abgefrühstückt!

  4. Natürlich sollte, nein muss man die Sicht aus beiden Blickwinkeln sehen. Ich bin Fußballfan, kein Polizist habe aber in meiner Verwandschaft Polizisten. Einer davon arbeitet auch bei einer Einsatzhundertschaft. Wir unterhalten uns oft und tiefgründig über die „Problematik“ Polizei – Fußballfan. Wobei es da eigentlich KEINE Problematik geben sollte. Woran liegt es nun das es doch zu Problemen zwischen diesen zwei Gruppen kommt? Liegt es daran das Polizisten von angetrunkenen Idioten als „Bullenschweine“ beschimpft werden? Liegt es daran das augenscheinlich nüchterne und ruhige Fußballfans mit dem Schlagstock in den Zug gedrängt werden, da es der Polizei nicht schnell genug geht? (Selbst erlebt)
    Liegt es daran das Flaschen oder sonstige Gegenstände ohne Grund auf Polizeibeamte geschmissen werden? (leider hab ich das auch schon gesehen)
    Liegt es daran das man bei einem Auswärtsspiel von der Polizei behindert wird mit dem Zug nicht nach Münster sondern zurück in seinen Wohnort zu fahren? (Auch selbst erlebt)
    Ich frage mich oftmals wieso sich BEIDE SEITEN so viel rausnehmen? Warum kann es nicht eine friedliche Koexistenz geben? Liegt es daran das sich einige Idioten auf Seiten der „Fußballfans“ vor Spielbeginn vornehmen randale zu machen? Oder liegt es auch daran das auf Seiten der Polizei sich vorgenommen wird da mal „aufzuräumen“? Wie ich oben schon schrieb hab ich Verwandte bei der Polizei und da wurde mir gesagt, dass es durchaus auch „Polizisten“ gibt die sich prügeln wollen!! Ich denke sowas kann einfach nicht sein…

  5. wie gesagt baghira,.. es geht um befindlichkeiten, also emotionen… sachliche argumente werden bei solchen diskussionen zwar angeführt, sind aber wirkungslos…
    erfahrungsgemäss steigern sich befindlichkeitsgesteuerte reaktionen wie eine spirale und verschärfen sich aucch mit der zeit… also ein „normaler“ vorgang, dass das verhältnis polizei-fans immer schlechter wird… traurig aber wahr!

    ne lösung?
    gibt es durchaus, allerdings erst wenn meinungsbildende personen aus beiden lagern sich von befindlichkeiten frei machen können und anfangen sich mit sachlichen dingen auseinanderzusetzen….

    das wäre der beginn einer friedlichen auseinadersetzung… immerhin!

  6. Hhm, ich denke mal der Hinweis galt mitunter auch mir:

    „Da werden hanebüchene Vergleiche angestellt (der Begriff „Möchtegern-Hooligans“ wird mit dem Schimpfwort „Bullenschweine“ gleichgesetzt)“

    Fakt ist: Wer von anderen erwartet, dass man Ihn respektiert, sollte nicht im gleichen Satz den Fauxpas begehen und ebenso repektlos zu sein. Ein hooligan wird allgmein mit Gewalt gleichgesetzt, da sind wir uns doch einig? Und jemanden subtil als Gewalttäter oder Möchtergern-Gewalttäter zu bezeichnen, obwohl man ihn persönlich gar nicht kennt geschweige denn die Vorkommnisse die dieser beschreibt beurteilen kann, ist schon ganz schön heftig. Mag sein das man für Bullenschwein eher im Bereich einer Beleidigung liegt und jemanden als Hooligan zu bezeichnen eher als üble Nachrede, oder gar ganz anders bewertet wird. aber besser macht es das doch auch nicht, oder?

    Im übrigen hat der Blogger Sie nicht persönlich angegriffen, wurde von Ihnen allerdings als Möchtegern-Hooligern betituliert. Soviel zum respektvollen und friedlichen Umgang…

    Aber wahrscheinlich habe ich eine verschwommene Wahrnehmung…

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