War es das wert?


Neulich im – JAAA! Da wahr er wieder – Nachtdienst. Eigentlich war es ein recht ruhiger Dienst, dafür dass es eine Mittwochnacht war. Leider findet sich immer jemand, der einem die Ruhe nicht gönnt.

Mein Kollege und ich hatten gerade einen wenig spektakulären Einsatz in einer örtlichen Diskothek abgeschlossen, als uns das Schicksal genau so einen Zeitgenossen über den Weg schickte.
Als wir besagte Disko verließen, sprach uns direkt ein Mitarbeiter der Security an, dem die Kontrollen am Eingang oblagen. Er machte uns auf einen jungen Mann aufmerksam, den er zuvor an der Tür abgewiesen hatte und der nun das Gelände nicht nur nicht verlassen wollte, sondern auch sowohl Personal als auch Gäste anpöbelte und belästigte. Man habe den Störenfried mehrfach zum Gehen aufgefordert, doch schien er da beratungsresistent zu sein.
Also spulte ich mental meine Platzverweisvarianten ab und entschied mich für die absolut korrekte und höfliche Version.
Ich sprach den zukünftigen Platzverwiesenen also an, stellte mich vor, entrichtete den Tagesgruß und teilte ihm unsere Maßnahme und den Grund dafür mit. Der Kerl schaute mich einen Moment etwas dümmlich an, um dann mit den üblichen Erklärungen zu beginnen: „Ich hatte schon eine Karte, die hat mich sechs Euro gekostet! Und dann kommt da dieser Türsteher und zerreißt meine Karte und sagt, dass ich nicht reinkomme. Das geht doch nicht!“. Ich erklärte ihm, dass er mit dem Erwerb der Karte die AGB des Lokals anerkannt habe und deshalb natürlich jederzeit des Hauses verwiesen werden dürfe, wenn sein Verhalten dem Personal nicht angemessen erscheinen würde. Außerdem wies ich ihn darauf hin, dass es sich um einen zivilrechtlichen Streit handele, den er natürlich von einem Gericht klären lassen könne. Dies ändere aber nichts an unsere Maßnahme, dem Platzverweis.
Bis hierher hatte ich den Eindruck gehabt, mich mit einer vernunftbegabten Kreatur unterhalten zu haben. Dieser Eindruck täuschte aber ganz offensichtlich, denn er erwiderte: „Also sehe ich das richtig, dass man heute als Staatsdiener nur noch einen IQ von unter hundert haben muss?“. Bevor mein Kragen Gelegenheit gehabt hatte vollends zu platzen, sprang mein Kollege in die Bresche und teilte dem Kerl mit: „So, jetzt ist Ende Diskussion! Verschwinde jetzt hier!“, sagte es und schob den Störer auch schon vor sich her. Das nahm dieser zum Anlass, um nun endgültig ausfallend zu werden: „Ey, dass ist ein tätlicher Angriff auf einen Bürger! Ich bezahle euch schließlich. Sucht euch doch mal einen richtigen Job. In der freien Wirtschaft würdet ihr doch…“, und in dieser Tour ging es weiter, während mein Kollege ihn über die Straße schob und ich „sichernd“ hinterher dackelte. Als Herr Unhöflich merkte, dass wir auf seine Provokationen nicht wie gewünscht reagierten, packte er die unterste Schublade aus: „Ihr Wichser! Ihr faulen Beamten, deren Pension wir alle zahlen müssen!“. Die Umherstehenden drehten sich zu uns um und die Hälse wurden immer länger. Wir hatten uns aber längst entschieden, diese Situation nicht eskalieren zu lassen. Als schoben wir den Typen so weit vor uns her, dass er deutlich das Gelände der Diskothek verlassen hatte. Der Kollege wurde nun noch deutlicher: „Wenn du jetzt noch eine Beleidigung kommen lässt, oder dich wieder hier bei der Disko blicken lässt, verbringst du die Nacht bei uns in der Zelle! Ist das klar?“. Der Angesprochene grinste nur und nickte. Dann drehte er sich um und ging in die andere Richtung, nicht ohne noch ein paar Verhöhnungen vor sich hin zu brabbeln: „Ihr seid so lächerlich…“.

Wir bestiegen unseren Streifenwagen und fuhren zu unserer nahegelegenen Wache. Dort sollten wir aber nicht viel Zeit verbringen, denn kurz nach unserem Eintreffen dort klingelte das Telefon. Die Security der Diskothek meldete, dass der Kerl wieder aufgetaucht sei und munter mit seinen Provokationen weiter mache.
Etwas missmutig bestiegen wir also erneut unser Auto und fuhren wieder zum Ort des Geschehens. Schon als wir ankamen, kam ein Verantwortlicher der Disko auf uns zu und sagte: „Wir haben drinnen noch eine Körperverletzung unter zwei Gästen. Die Leitstelle sagte mir, ich solle euch direkt ansprechen.“. Wir hatten aber inzwischen schon unseren „Freund“ von vorhin entdeckt und antworteten: „Wir müssen uns aber erst um diesen Experten da kümmern.“. Der Störenfried stand nun mit einigen anderen, ihm offensichtlich bekannten Personen, auf dem Vorplatz in unmittelbarer Nähe des Ausgangs.
Wir näherten uns ihm und der Kollege sprach ihn direkt an: „Ich möchte jetzt deinen Ausweis sehen!“. Das „Du“ schien nach den vorangegangenen Beschimpfungen nur angemessen. Der Platzverwiesene starrte den Kollegen nur ohne Reaktion an. Daraufhin wiederholte der leicht genervte Polizist seine Aufforderung. Auch diesmal wurde er enttäuscht und erntete nur stures Starren. Jetzt war unsere Geduld endgültig überstrapaziert. Mein Spannmann hob die Hand und begann mit dem Daumen: „Drei, zwei, eins…“, „Meins“ ergänzte der Kerl, worauf mein Kollege ihn am Arm fasste und ihm die Ingewahrsamnahme offenbarte. Noch bevor mein Streifenführer den Kandidaten zum Auto dirigieren konnte, fing dieser plötzlich an sich loszureißen, machte auf dem Absatz kehrt und versuchte wild um sich schlagend in die andere Richtung zu flüchten. Allerdings hatte er nicht mit der Erfahrung und dem Reaktionsvermögen meines Kollegen gerechnet. Dieser packte sich nämlich blitzschnell seinen Kopf und versuchte ihn so zu Boden zu bringen. Leider musste er dabei immer wieder den Tritten und Schlägen des Festgenommenen ausweichen, was zur Folge hatte, dass dieser nicht sauber auf dem Bauch landete, sondern etwas seitlich auf seinem linken Arm. Ich packte mir seinen rechten Arm, nahm von meinem Kollegen die Handfessel entgegen und legte diese an. Da der linke Arm aber unter dem Körper verborgen war, blieb die Fesselung zunächst unvollständig. Als wir dem am Boden Liegenden etwas Raum gaben, damit wir an seinen anderen Arm heran kommen konnten, nutze dieser die neu gewonnene Bewegungsfreiheit, um sich aufzurappeln und erneut um sich zu schlagen.
Da ich aber immer noch seinen rechten Arm festhielt, konnten wir ihn an eine Wand drängen und die Fesselung vollenden.
Unter weiteren Beschimpfungen und Beleidigungen führten wir unseren Gefangenen nun zum Auto.
Diese Hasstiraden hörten auch auf der Fahrt zum Gewahrsam nicht auf. Außerdem mussten wir die üblichen Drohungen mit der Beendigung unserer Karrieren über uns ergehen lassen.
Je näher wir dem Gewahrsam kamen, desto ruhiger wurde der Störenfried dann aber doch. Nun wollte er gerne mit seinem Papa telefonieren. Wir wiesen ihn darauf hin, dass er dies natürlich dürfe, dies aber in Anbetracht seiner Fesselung wohl etwas schwierig werden dürfte und er deshalb wohl bis zu unserer Ankunft warten müsse.
Im Gewahrsam mussten wir ihm natürlich noch Sinn und Zweck seiner körperlichen Durchsuchung erklären, bevor er diese widerwillig über sich ergehen ließ. Dann gestatteten wir ihm sein Telefonat mit seinem Vater, der in einer etwa zwei Autostunden entfernten Stadt lebte. Inzwischen waren alle Dämme gebrochen und er wimmerte schon fast seinem Vater die Tatsache vor, dass er im Polizeigewahrsam sitzt. Natürlich wiegelte er dabei seine Handlungen nach Kräften ab. Sein Vater schien aber seinem Sohn nicht alles unreflektiert zu glauben und verlangte mit einem von uns zu sprechen. Mein Streifenführer übernahm das Handy und schilderte kurz und knapp die Geschehnisse. Dabei erwähnte er auch, dass Sohnemann noch eine Blutprobe wegen des Widerstandes über sich ergehen lassen müsse und dann bis zur Schließung der Diskothek in einer Zelle untergebracht werde. Papa war so besorgt, dass er tatsächlich die lange, nächtliche Reise auf sich nehmen wollte, um seinem Sohn die Nacht in der Zelle zu ersparen. Wenigstens der Vater schien in Ordnung zu sein.

Unser Proband wurde durch den diensthabenden Druiden zur Ader gelassen und konnte sich dann bis zur Ankunft seines Erzeugers in einer unserer Zellen erholen.

Unrechtsbewusstsein war die ganze Zeit über Fehlanzeige bei ihm. Auch dass der Kollege sich bei der ganzen Aktion leicht verletzt hatte, schien ihn in keiner Weise zu bekümmern.

Als wir seine persönlichen Sachen asservierten, wollte er uns noch großzügig sein gesamtes Bargeld von über 40 Euro schenken. Also schien ihm Geld nicht wichtig zu sein. Schlimm genug, dass es ihm sechs Euro dann doch wert waren, die Verletzung von Polizeibeamten in Kauf zu nehmen.

Wir haben das Geld übrigens dankend abgelehnt – Nicht dass hier noch ein falscher Eindruck entsteht!

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